Internationaler UV-Kongreß in Hamburg

Hamburg. Im Congreß Centrum Hamburg (CCH) fand der internationale Kongreß: »Environmental UV-Radiation, Risk of Skin Cancer and Primary Prevention«, initiiert von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), der Deutsche Krebshilfe (DKH), der International Commission of Non-Ionizing Radiation (ICNIRP) und der Strahlenschutzkommission (SSK) und unterstützt durch das Bundesamt für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) statt.

Fast 200 Wissenschaftler aus aller Welt diskutierten an drei Tagen neue wissenschaftliche Erkenntnisse, welche in 27 Plenarvorträgen und über 50 Posterbeiträgen vorgestellt wurden. Dabei wurden fünf große Gebiete behandelt:

Messung von UV-Strahlung auf der Erdoberfläche
Ausdünnung der Ozonschicht
Anstieg der UV-Strahlung
auf der Erdoberfläche
Personendosimetrie

Biologische Effekte von UV-Strahlung
Molekulare Grundlagen der Hautkrebsentstehung
Wirkung von UV-Strahlung auf Haut und Augen
Wirkung von UV-Strahlung auf das Immunsystem

Schutz vor UV-Strahlung
Chemischer Sonnenschutz (Sonnencremes/Mikropigmente)
Textiler Sonnenschutz
Standardisierung des Sonnenschutzfaktors (SPF)
UV-Schutz beruflich strahlenexponierter Personen

Risiken klinischer und therapeutischer Anwendung von UV-Strahlung
UV-Therapie
Sonnenbänke

Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung
Zukünftige Trends der Hautkrebsinzidenz
WMO-Intersun-Programm
UV-Index
UV-Programm der ICNIRP
Weltweite Erfahrung
mit der Wirksamkeit
von Aufklärungskampagnen

Übereinstimmend wurde festgestellt, daß eine Ozonausdünnung der Stratosphäre zur Ausbildung des Ozonlochs über der Antarktis (August bis Dezember) geführt hat. Weiterhin ist eine deutliche Reduktion der Ozonschicht bis hin zum Auftreten kleiner Ozonlöcher in der nördlichen Hemisphäre (Februar bis April) meßbar. Diese sind mit einer erhöhten Einstrahlung von UVB-Strahlung verbunden, welche, wie In-vitro- und In-vivo- Experimente belegen, zur Schädigung der im DNA-Molekül der Zelle vorliegenden Erbinformation führen. Solche, sowohl durch UVB- als auch durch UVA-Strahlung hervorgerufenen Schäden können als initiales Ereignis für die Induktion von Hautkrebsen angesehen werden.

Die weltweit und vor allem in Deutschland in den letzten zehn Jahren beobachtete dramatische Zunahme der nicht melanotischen Hautkrebse (Basalzellkarzinom und Plattenepithelzellkarzinom) aber auch des schwarzen Hautkrebses (malignes Melanom) ist bisher auf ein geändertes Sozial- und Freizeitverhalten der Bevölkerung in den vergangenen 30 bis 40 Jahren (z. B. vermehrte UV-Quellen in Sonnenstudios) zurückzuführen.

In Zukunft ist jedoch in Korrelation mit der Abnahme der schützenden Ozonschicht mit einer zusätzlichen Hautkrebsinduktion zu rechnen. Hochrechnungen sagen dabei für eine Abnahme der Ozonschicht um 1% eine Zunahme der melanotischen Hautkrebse und des malignen Melanoms um 3% beziehungsweise 1% voraus. Auf dem Kongreß wurde Übereinstimmung dahingehend erzielt, daß dieser Entwicklung durch einfach durchführbare, gezielte Schutzmaßnahmen wie dem Tragen geeigneter Kleidung auch an sonnigen Tagen und der Nutzung hochwertiger Sonnenschutzcremes entgegengewirkt und auf eine Risikoverminderung der UV-Anwendungen im kosmetischen Bereich (Solarien) hingearbeitet werden muß.

In einer während des Kongresses stattfindende Pressekonferenz zum Thema: »Information von Urlaubern, Fern- und Flugreisenden über Hautkrebsprävention« an der auch Vertreter der World Meteorological Organization, der Deutschen Krebshilfe, der Deutschen Krebsgesellschaft, der Strahlenschutzkommission, des Bundesamtes für Strahlenschutz und des Touristikunternehmens TUI teilnahmen, wurde jedoch noch einmal klargestellt, daß eine gezielte Hautkrebsprävention nur über eine umfangreiche Aufklärung der Bevölkerung und durch Verfügbarkeit von Informationen über potentielle Risiken erreicht werden kann. So soll zum Beispiel der demnächst über die Medien verbreitete, auf internationalen Standards beruhende UV-Index (UVI) der Bevölkerung Anhaltspunkte für die Länge einer täglichen, unschädlichen Sonnenexposition liefern. Es wurde betont, daß das Ziel einer solchen Öffentlichkeitsarbeit nicht die Diskriminierung der notwendigen Erholung des Menschen in der Sonne ist, sondern daß ein bewußteres Sonnenverhalten der Bevölkerung vor dem Hintergrund der jetzt bekannten Risiken erreicht werden soll.

Diese Intention kommt auch im Slogan der Kampagne Europa gegen den Krebs »Ich liebe die Sonne und schützte meine Haut« zum Ausdruck.