Artikel päd 1/2020 Seite 34

Titel:
Sind wir nicht alle ein bisschen autistisch? Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störungen zwischen Modediagnose und ernsthafter Behinderung
Zusammenfassung:
Autismus und vor allem das Asperger-Syndrom ziehen gegenwärtig viel Interesse auf sich. Dabei ist nicht nur die wissenschaftliche Auseinandersetzung und Erforschung dieser tiefgreifenden Entwicklungsstörung seit den 1980er und 1990er Jahren stark angestiegen, Autismus findet auch in den Medien und in populären Filmen und Serien zunehmend Beachtung. Dies geht mit deutlich gestiegenen, fast explodierenden Fallzahlen einher. In der klinischen Praxis ist vor allem zu beobachten, dass die Inanspruchnahmeraten bezüglich einer Diagnostik sprunghaft angestiegen sind und gleichzeitig nur wenige Spezialambulanzen deutschlandweit qualifizierte Diagnostik anbieten. Für die Betroffenen und ihre Familien resultieren erhebliche Wartezeiten. Gleichzeitig fördert eine unkritische Vergabe der Diagnose die Abwertung der Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) als Modediagnose und zieht für falsch-positiv Diagnostizierte negative Konsequenzen nach sich, während die therapeutische Begleitung und Betreuung der Betroffenen in ihren sozialen Umfeldern aufgrund der zunehmenden mangelnden Akzeptanz zusehends erschwert wird. Vor diesem Hintergrund beleuchtet der folgende Artikel nach einem zusammenfassenden historischen Abriss die möglichen Ursachen der hohen Prävalenzraten und schließt mit einer kurzen Darstellung der Neufassung der ASS im »Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders« (DSM)-5 und deren Auswirkungen auf die Praxis ab.
Zusammenfassung englisch:
Autism and especially the asperger’s syndrome attract a lot of attention. But not only the scientific discussion and research of the pervasive developmental disorders (PDD) increased considerable since the 1980s and 1990s, autism also attracts more and more interest in social media, popular movies and television series. This goes along with increasing, almost exploding numbers of cases. In clinical practice we observe primarily, that the numbers of diagnostic utilization escalate and at the same time only few specialised health care and diagnostic centres offer opportunities to use clinical examination for patients in Germany. For persons concerned and their families considerable waiting periods result. At the same time noncritical allocation of the diagnosis PDD fosters degradation of the diagnosis and entails negative consequences for misdiagnosed patients, while it makes the therapeutic attendance and supervision in the social environment of the persons concerned more difficult because of the increasing lack of acceptance. Against this background this article exemplifies after short historical summary possible causes of the high numbers of misdiagnosis and submits a statement of the revised version of the PDD in DSM-5 and its impact of clinical practice.
Autoren:
Maria Schubert
Schlüsselwörter:
Autismus-Spektrum-Störungen, Diagnostik, DSM-5, Modediagnose
Schlüsselwörter englisch:
autism spectrum disorders, diagnostics, DSM-5, misdiagnosis