Artikel päd 5/2013 Seite 237

Titel:
Ingestionsunfälle bei Kindern
Zusammenfassung:
Fremdkörper unterschiedlichster Art werden vor allem von Kindern unter vier Jahren verschluckt. Oft handelt es sich um Münzen, bei denen, wenn sie im Magen liegen, zunächst abgewartet werden kann. Sicherer Interventionsbedarf ist bei Schmerzen, Schluckstö­rungen oder Atemnot durch Kompression der Trachea gegeben. Manche Au­toren postulieren, dass progressives endoskopisches Entfernen von Fremdkörpern zu einer Reduktion der Morbidität und Operationshäufigkeit führen kann. Die Ingestion von Batterien stellt eine besondere Bedrohung dar, wenn die Batterie im Ösophagus verbleibt. Vor allem der Stromfluss kann als schädigendes Agens identifiziert werden (1), denn dabei entsteht Salzsäure an der Anode und Natronlauge an der Kathode. Schwere Verätzungen sind die Fol­ge. Daher muss in jedem Fall eine sofortige endoskopische Extraktion angestrebt werden. Fistelbildungen in Trachea, Aorta oder Mediastinum mit entsprechend lebensbedrohlichen Folgen sind keine Seltenheit (2). Verätzungen des Ösophagus treten bei der Ingestion von Säuren, Laugen oder Bleichmitteln auf, wobei Jungen und Kinder, die viele Geschwisterkinder ha­ben, häufiger betroffen sind. Typische Symptome sind Erbrechen (auch blutig), Hypersalivation sowie retrosternale oder gastrale Schmerzen. Bei einem dadurch begründeten klinischen Verdacht oder sichtbaren Schäden im Mund ist in jedem Fall eine endoskopische Untersuchung indiziert. Unter der Vorstellung, den Ösophagus zu schienen und mindestens ein Restlumen aufrecht zu erhalten, sollte eine nasogastrale Sonde platziert werden, die bei fehlenden gastralen Läsionen auch un­mittelbar zur Ernährung be­nutzt werden kann. Nach höhergradigen Verätzungen besteht eine in der Literatur unterschiedlich bezifferte Rate an funktionell bedeutsamen Stenosen. Es ist nicht geklärt, ob ein primär chirurgisches Vorgehen indiziert ist. Die klinische Erfahrung zeigt jedoch, dass mit oft langwierigen Bougierungen eine Operation vermieden werden kann.
Zusammenfassung englisch:
Foreign bodies of all kinds are accidentally swallowed, especially by children under the age of 4. Often there are coins, which – when they already reached the stomach – indicate no direct interven­tion. Surely intervention is needed if symptoms like pain, dysphagia or dyspnoea due to compression of the trachea occur. Some authors postulate that progressive endoscopic removal of foreign bodies can lead to a re­duction in morbidity and frequency of operations. The ingestion of batteries poses a particular threat if the battery remains in the oesophagus. Especially, the current flow can be identified as injurious agent (1), since this acid is formed at the anode and sodium hy­droxide at the cathode. Severe burns will result. Therefore, in any case, an im­mediate endoscopic extraction should be sought. Fistula into the trachea, aorta or mediastinum with cor­res­ponding life-threatening consequen­ces are not uncommon (2). Burns of the oesophagus occur in the ingestion of acids, alkalis or bleaches, with boys and children who have many siblings are more often affected. Typical symptoms include vomiting (also haemoragic), hypersalivation and re­tro­sternal or gastric pain. If a caustic ingestion is substantiated clinically suspected or da­mage in the mouth is visible, an en­doscopic examination is indicated. Un­der the idea that the oesophagus should at least keep a residual lu­men upright, a nasogastric tube should be placed. This additionally can be used directly for feeding purposes, if gastric lesions are absent. If there are higher graduated burns, the recommendation available in the literature varies concerning the estimated rate of functionally significant stenosis. It is unknown, whether a primary surgical treatment is indicated. Clinical experience shows that with often repeated gastroscopic dilations, surgery can often be avoided.
Autoren:
J. Kaufmann, M. Laschat, F. Wappler
Schlüsselwörter:
Fremdkörperingestion, Batterie, Endoskopie, Ösophagusstenose
Schlüsselwörter englisch:
ingestion of foreign bodies, battery, endoscopy, esophageal stenosis