Artikel päd 2/2012 Seite 101

Titel:
Tic-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen: Teil 2 – Komorbiditäten, Ätiologie und Behandlung
Zusammenfassung:
Bei der Mehrzahl der Patienten mit Tic-Erkankungen bestehen neben den Tics psychiatrische Komorbiditäten, am häufigsten eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Zwänge, Ängste, Störungen der Impulskontrolle, Depressionen und autoaggressive Handlungen. Studien zur Lebensqualität haben gezeigt, dass komorbide Zwänge und eine ADHS meist zu einer weit stärkeren Beeinträchtigung der Lebensqualität führen als die Tics. Dies muss bei der Behandlung von Kindern mit Tic-Erkrankungen berücksichtigt werden. Die Ursache von Tic-Erkrankungen konnte bis heute nicht eindeutig ge­klärt werden. Anzunehmen ist eine Fehlregulation in kortiko-striato-thalamo-kortikalen Regelkreisen unter Be­teiligung des dopaminergen Sys­tems. Zweifelsohne liegt den Tic-Erkrankungen eine genetische Ursache zugrunde. Ein umschriebener Gendefekt konnte aber bis heute nicht nachgewiesen werden. Vermutlich sind für die Manifes­ta­tion der Erkrankung neben genetischen Veränderungen auch Umweltfaktoren von Bedeutung. So wird spekuliert, ob etwa Geburtskomplikationen oder In­fektionen Einfluss nehmen können. Stärker ausgeprägte Tics beziehungsweise Tics, die zu einer relevanten sozialen Beeinträchtigung führen, können verhaltenstherapeutisch (mittels »Habit Reversal Training«) oder medikamentös behandelt werden. Antipsychotika wie Tiaprid, Risperidon und Aripiprazol sind die Medikamente der 1. Wahl.
Zusammenfassung englisch:
The majority of patients with tic disorders suffers not only from tics but also from psychiatric comorbidities such as attention deficit hyperactivity disorder (ADHD), obsessive compulsive disorder (OCD), anxiety disorder, impulsivity, depression and self injurious behaviour. Studies investigating health related quality of life demonstrated that in most patients with tic disorders ADHD and OCD affect quality of life more than the tics. This aspect has to be ta­king into consideration when treating children with tic disorders. The underlying cause of tics is still un­known. However, it is believed that cortico-striato-thalamo-cortical circuits are involved. In addition, there is subs­tan­tial evidence for a dopaminergic dysfunc­tion. Tic disorders have a genetic background, but environmental factors (such as perinatal adversities, bacterial infections and autoimmune reactions) also seem to play a key role. Treatment of tics should be initiated when tics are severe or cause significant social impairment. First choice treatment in children is ei­ther habit reversal training or medical treatment with antipsychotics such as tiapride, risperidone and aripiprazole.
Autoren:
Kirsten R. Müller-Vahl
Schlüsselwörter:
Tourette-Syndrom, Tic-Erkrankung, psychiatrische Komorbiditäten, dopaminergische Dysfunktion
Schlüsselwörter englisch:
Tourette syndrome, tic disorders, psychiatric comorbidities, dopaminergic dysfunction