Artikel päd 1/2012 Seite 51

Titel:
Tic-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen: Teil 1 – Phänomenologie der Tics und Verlauf
Zusammenfassung:
Tics sind ein sehr häufiges Symptom im Kindesalter. Nicht jeder Tic ist als Krankheit im engeren Sinne einzustufen oder behandlungsbedürftig. Typischerweise treten Tics erstmals im Grundschulalter zwischen dem 6. und 8. Lebensjahr auf. Oft sind sie transient und bestehen nur für wenige Monate. Mehrheitlich finden sich lediglich geringe einfache motorische Tics mit Augenblinzeln, Grimassieren oder Kopfbewegungen, die von jüngeren Kinder oft gar nicht wahrgenommen werden. Das Tourette-Syndrom ist durch das Bestehen multipler motorischer und mindestens eines vokalen Tics gekennzeichnet mit einer Dauer von mehr als einem Jahr. Die Schwere der Tics ist für die Diagnose hingegen unerheblich. Tics beginnen in der Regel schleichend. Der Verlauf ist durch Fluktuationen hinsichtlich Lokalisation, Frequenz und Intensität der Tics gekennzeichnet. Die Prognose ist meist günstig. Tics können nicht nur wegen der typischen Fluktuationen von anderen Bewegungsstörungen unterschieden werden, sondern auch durch ein den Tics oft vorangehendes Vorgefühl und die vorübergehende Unterdrückbarkeit. Als Sonderformen komplexer Tics gelten die Korpo-, Echo- und Paliphäno­mene, das heißt das Ausrufen und Zeigen obszöner Wörter beziehungsweise Bewegungen, das Nachsprechen und Imitieren von Wörtern beziehungsweise Bewegungen anderer und das Wiederholen selbst gesprochener Wörter.
Zusammenfassung englisch:
In younger children tics are frequent. However, in most of these children tics are only mild, cause no significant im­pairment, and, therefore, there is no need for treatment. Tics often start at the age of 6 to 8 years. In the majority of younger children, tics are transient and last only for some months. In most of the children, only mild motor tics occur such as eye blinking, grimacing or head movements. Many of the younger children are not aware of their mild tics. Tourette syndrome is defined as a chronic tic disorder (> 1 year) with multiple motor and at least one vocal tic. Even in patients with Tourette syndrome, tics are often mild or moderate. In the course of the disease tics typically wax and wane. Furthermore, tics are characte­rized by a premonitory feeling and the possibility to suppress the tics voluntarily. However, these phenomena develop with increasing age and may not be reported by younger children. In some patients specific complex mo­tor and vocal tics occur such as copro­lalia, copropraxia, echolalia, echopraxia, and palilalia.
Autoren:
Kirsten R. Müller-Vahl
Schlüsselwörter:
Tic, Tourette-Syndrom, Tic-Erkrankungen, Phänomenologie und Verlauf, Koprolalie
Schlüsselwörter englisch:
tic, Tourette syndrome, coprolalia