Artikel päd 1/2008 Seite 49

Titel:
Diagnostik und Behandlung von selbstverletzenden Verhaltensweisen im Kindes- und Jugendalter
Zusammenfassung:
Unter dem Begriff »selbstverletzendes Verhalten« werden verschiedene Handlungsweisen zusammengefasst, deren gemeinsames Ziel die Beschädigung des eigenen Körpers ist. In Bezug auf die Klassifikation muss hervorgehoben werden, dass es sich bei selbstverletzendem Verhalten nicht um eine Diagnose handelt, sondern um Verhaltensweisen, die in der Regel mit einem komplexen Störungsbild im Rahmen verschiedenster Erkrankungen vergesellschaftet sind. Bei Jugendlichen tritt als häufigste Form des selbstverletzenden Verhaltens ein Sich-Ritzen, -Brennen und -Schneiden auf und findet sich vermehrt bei Störungen des Sozialverhaltens, instabilen Persönlichkeitsstörungen vom Borderline-Typ, neurotischen Störungen und Essstörungen. Die Häufigkeit dieses selbstverletzenden Verhaltens hat in den letzten Jahren bei Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen. Epidemiologische Untersuchungen zum selbstverletzenden Verhalten bei Kindern und Jugendlichen finden aktuell Prävalenzraten zwischen 2 und 15%. Diese Kinder und Jugendlichen mit suizidalen und parasuizidalen Symptomen lassen sich effektiv mit der verhaltenstherapeutisch orientierten dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) für Adoleszente behandeln. Die DBT wurde von Linehan (12) zur Behandlung von Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen entwickelt, die entweder chronisch suizidal sind und/oder sich selbst verletzen. Gegenüber der Standard-DBT wurde für die Arbeit mit Jugendlichen durch Miller und Rathus (17) eine Reihe von Modifikationen vorgenommen, um die Behandlung der jugendlichen Zielgruppe anzupassen. Durch unsere Arbeitsgruppe wurde die dialektisch-behaviorale Therapie für Adoleszente (DBT-A) für den deutschen Sprachraum überarbeitet und angepasst. Die Wirksamkeit der Therapie wurde anhand eines Prä-Post-Vergleichs mit standardisierten Skalen zur Selbst- und Fremdeinschätzung evaluiert. Insbesondere depressive, parasuizidale und suizidale Symptome bilden sich im Rahmen dieser Behandlung rasch zurück. Die Therapieeffekte sind auch ein Jahr nach Therapieende stabil nachweisbar.
Zusammenfassung englisch:
The term »self-harming behavior« is used to summarize various types of action, of which the common goal is to damage one’s own body. With regard to the classification, it must be emphasized that self-injurious behavior is not a diagnosis, but rather behaviors that are usually associated with a complex disorder in the context of various diseases. In adolescents, the most common form of self-injurious behavior is scratching, burning and cutting and is increasingly found in disorders of social behavior, unstable borderline-type personality disorders, neurotic disorders and eating disorders. The frequency of this self-harming behavior has increased substantially in children and adolescents in recent years. Epidemiological studies on self-harming behavior in children and adolescents currently find prevalence rates between 2 and 15%. These children and adolescents with suicidal and parasuicidal symptoms can be treated effectively with behavior therapy-oriented dialectical-behavioral therapy (DBT) for adolescents. The DBT was developed by Linehan (12) for the treatment of women with borderline personality disorders who are either chronically suicidal and/or injure themselves. Compared to the standard DBT, Miller and Rathus (17) made a number of modifications to work with adolescents to adapt the treatment to the adolescent target group. Our working group revised and adapted the dialectical-behavioral therapy for adolescents (DBT-A) for the German-speaking world. The effectiveness of the therapy was evaluated on the basis of a pre-post comparison with standardized scales for self and external assessment. Depressive, parasuicidal and suicidal symptoms in particular quickly resolve as part of this treatment. The therapy effects are demonstrable stable one year after the end of therapy.
Autoren:
Christian Fleischhaker, E. Schulz
Schlüsselwörter:
Verhaltensweisen, Selbstverletzung
Schlüsselwörter englisch:
behaviors, self-harm
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