Artikel derm 4/2018 Seite 286

Titel:
Infektiologie und Tropendermatologie – Teil 70: Räudemilben aus einer Lama- und Alpakaherde als Erreger der Pseudoskabies beim Menschen
Zusammenfassung:
Es wird über den Ausbruch und die Behandlung der Sarcoptes-Räude in einer Lama- und Alpakaherde im Schwarzwald (Baden-Württemberg) berichtet. Die Diagnose wurde anhand des klinischen Bilds im Zusammenhang mit dem Erregernachweis aus Haut- und Ohrgeschabseln gestellt. In den Proben wurden anfänglich zahlreich Sarcoptes-Milben gefunden. Zur Therapie wurden allen Tieren im Abstand von jeweils drei Wochen 0,2 mg/kg Körpermasse (KM) Moxidectin (Cydectin® 1%-ige Injektionslösung, Zoetis) subkutan (s.c.) appliziert (2 ml pro Lama, 1,5 ml pro Alpaka). Aufgrund der Schwere des Befalls musste die Behandlung achtmal wiederholt werden, bis sich ein Therapieerfolg einstellte. Zu Beginn und danach alle sechs Wochen wurden parasitologische sowie klinische Untersuchungen der Patienten durchgeführt. Bei einzelnen Tieren (insbesondere bei den Alpakas) war eine rasche Reduzierung der Milbenpopulation zu beobachten, bei anderen Tieren (insbesondere bei den Lamas) wurden die Befallsintensität und die Hautalterationen nur sehr langsam besser. Alle Tiere zeigten im Verlauf zunehmend ein besseres Allgemeinbefinden, weniger Juckreiz und die Abheilung der skabioiden Hautreaktionen. Bis zur vollständigen Heilung der Herde war eine sechsmonatige Therapie erforderlich. Die Behandlung von Sarcoptes-Infestationen bei Neuweltkameliden mit makrozyklischen Laktonen ist nur über einen längeren Zeitraum sinnvoll, da kurzfristig keine Therapieerfolge erzielt werden können. Die Räudemilben (Sarcoptes scabiei var. bovis) von Lamas und Alpakas können auch auf die Haut des Menschen übergehen und dort zu erythematösen sowie heftig juckenden Hautveränderungen führen. Es wird über den Fall einer Pseudoskabies bei einem Hobbyhalter berichtet.
Zusammenfassung englisch:
A report on the outbreak and treatment of sarcoptic mange in a lama and alpaca herd in the Black Forest (Baden-Württemberg). The diagnosis was made on the basis of the clinical picture in connection with the pathogen detection in skin and ear scrapes. Initially, numerous sarcoptic mites were found in the samples. For therapy, 0.2 mg/kg body mass of moxidectin (Cydectin® 1% solution for injection, Zoetis) was administered subcutaneously (s.c.) to all animals at intervals of three weeks (2 ml per lama, 1.5 ml per alpaca). Due to the severity of the infestation, the treatment had to be repeated eight times, until a therapeutic success was achieved. At the beginning and every six weeks thereafter parasitological and clinical examinations of the patients were carried out. In some animals (especially in the alpacas) a rapid reduction of the mite population was observed, in other animals (especially in the lamas), the intensity of infestation and the skin alterations were only very slowly improved. All animals showed progressively a better general condition, less itching and the healing of scabioid skin reactions. Complete healing of the herd required six months of therapy. The treatment of sarcoptic infestations in new world camelids with macrocyclic lactones only makes sense over a longer period of time since no therapeutic success can be achieved in the short term. The mange mites (Sarcoptes scabiei var. bovis) of lamas and alpacas can also spread to the skin of the human body and cause erythematous as well as itchy skin lesions. It is reported on the case of a pseudoscabies in a hobby-farmer.
Autoren:
Wieland Beck
Schlüsselwörter:
Räudemilben, Sarcoptes scabiei, Neuweltkameliden, Pseudoskabies
Schlüsselwörter englisch:
mange mites, Sarcoptes scabiei, new world camelids, pseudoscabies
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