Artikel derm 3/2018 Seite 236

Titel:
Komplexes Therapieschema bei faustgroßem Plattenepithelkarzinom der Haut
Zusammenfassung:
Anamnese Ein 71-jähriger Weichensteller stellte sich mit einem seit 1,5 Jahren progredient wachsenden Hauttumor an der Stirn links vor. Hautbefund Es zeigte sich ein 5 x 7 cm durchmessender, unscharf begrenzter, exophytisch, ulzerierter Tumor mit purulenter und fötider Sekretion. Weitere Befunde Ein präoperativer Computertomografie (CT)-Befund schloss eine ossäre Beteiligung aus. Diagnose Stirn links: Plattenepithelkarzinom, Tumordicke 25 mm. Therapie und Verlauf In Lokalanästhesie erfolgte die mikroskopisch kontrollierte Exzision (12 x 7 cm) des Tumors bis an die Tabula externa. Histologisch imponierte ein Plattenepithelkarzinom (Tumordicke 25 mm), welches zur Basis noch nachweisbar war. In Vollnarkose führten wir am nächsten Tag zunächst bei sichtbarer Arrosion der Tabula externa eine zentrale Meißelung (histologisch konnten tumorfreie Knochenspäne gesichert werden) sowie eine Pridie-Bohrung mittels 6er-Rosenbohrer durch. Anschließend erfolgte die Anlage eines Pipeline-Verbands (3) zum dreimal täglichen Anfeuchten des Defekts mit 0,9%-iger Natriumchlorid-Lösung durch den Patienten selbst. Ein Verbandswechsel erfolgte zweimal pro Woche. Nach vier Wochen zeigte sich eine zirka 75%-ige und nach acht Wochen eine vollständige Wundgrundgranulation. Der Defekt konnte mittels Spalthauttransplantation gedeckt werden. Diskussion Das Plattenepithelkarzinom der Haut ist der zweithäufigste maligne Hauttumor, wächst lokal destruierend und metastasiert selten. Die Therapie der Wahl ist die mikroskopisch kontrollierte Chirurgie (1). Da aufgrund der freiliegenden Kalotte nur eine spärliche Granulation aus dem Wundrand zu erwarten war, entschieden wir uns für eine Pridie-Bohrung zum Auslösen der Angiogenese aus dem Knochenmark im Bereich der Bohrlöcher (2). Durch das Befeuchten über den Pipeline-Verband (3) wurde die Wundgrundgranulation gefördert. Diese gelang trotz freiliegender Tabula externa und großem Defekt unproblematisch in wenigen Wochen. Somit konnte trotz eines großflächigen Plattenepithelkarzinoms eine In-sano-Resektion mit darauffolgendem erfolgreichen Defektverschluss durchgeführt werden.
Zusammenfassung englisch:
Anamnesis A 71-year-old railway signalman presents himself with a skin tumour that has been growing for 1.5 years. Clinical findings A 5 x 7 cm exophytic, ulcerated and purulent tumour with foetid secretion on the left forehead. Therapy and development We excised the tumour up to the external tabula. A squamous cell carcinoma with a tumour thickness of 25 mm could be secured histologically. Afterwards we performed a Pridie drilling and a Pipeline-bandage (3). Wound granulation reached 75% after four weeks and was fully completed after eight weeks. Finally, we covered the defect with a split skin graft. Discussion Surgery is the therapy of choice for a squamous cell carcinoma (1). Due to the exposed calotte, only sparse granulation was expected. Therefore, we decided to perform a Pridie drilling to initiate the angiogenesis from the bone marrow in the area of the drill holes (2). A Pipeline-bandage (3) was used to moisten the wound and promote its granulation. This allowed closure of the defect despite a pronounced tumour.
Autoren:
Elisabeth Wetzel, T. Matthes, A. Hoos, Nina Devereux
Schlüsselwörter:
Plattenepithelkarzinom, Pridie-Bohrung, mikroskopisch kontrollierte Operation, Pipeline-Verband
Schlüsselwörter englisch:
squamous cell carcinoma, Pridie drilling, microscopic controlled surgery, pipeline-bandage