Artikel derm 5/2017 Seite 409

Titel:
Medizinisch und psychologisch sinnvolle Tattoos
Zusammenfassung:
Das wesentlichste Anwendungsfeld von Tattoos in der Medizin ist derzeit das Auftätowieren einer realistisch wirkenden Brustwarze bei Brustkrebs-Patientinnen. Weitere Bereiche sind Tattoos von Warnungen für spezielle Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes, Allergien, Epilepsie oder Herzschrittmacher, aber auch die Bereitschaft zur Organspende. Auch im psychologischen Bereich gibt es etliche Studien, die zeigen, dass Tattoos, Piercings & Co. durchaus positive Effekte haben. So stellten wir in unseren Arbeiten fest, dass sich Tätowierungen positiv auf die subjektiv wahrgenommene Attraktivität auswirken. Die Mehrheit der Teilnehmer äußerte, durch die Tätowierung mehr Kontakt zu anderen bekommen zu haben. Körperschmuck kann auch subjektiv empfundene Defizite im Aussehen verdecken und dadurch das Selbstbewusstsein erhöhen. »Body-Modifications« werden nach körperlich oder psychisch traumatisierenden Erfahrungen auch dazu benutzt, wieder Kontrolle über den Körper zu bekommen. Borderline-Patienten berichten, dass sie durch die »Body-Modification« das selbstverletzende Verhalten erheblich verringert oder sogar ganz damit aufgehört haben. Mit »Cover-up«-Tattoos trauen sich Menschen wieder vor den Spiegel, die unglücklich mit einem laienhaft gestochenen Tattoo waren. Ein weiterer Bereich, in dem Tätowierungen positive Aspekte beinhalten, sind »Trauer-Tattoos«: Menschen können den Tod eines nahen Angehörigen durch ein Tattoo verarbeiten; viele geben an, sich damit die Erinnerung an einen verstorbenen Menschen wachhalten zu wollen. Das eintätowierte Semikolon umfasst Menschen, die ihrer Existenz ein Ende bereiten wollten, sich aber dazu entschlossen haben, den Satz ihres Lebens doch noch weiter fortzuführen und die das Semikolon daran gemahnt, es auch weiter zu versuchen.
Zusammenfassung englisch:
Currently, the most important field of tattoos in medicine is the tattooing of a realistic nipple in breast cancer patients. Other areas are tattoos of warnings for specific diseases, e.g. diabetes, allergies, epilepsy or heart pacemakers, but also the willingness to donate organs. In addition, also in the psychological field there are several studies, which show that tattoos, piercings & Co. have quite positive effects. In our work we found that tattoos positively affect the subjectively perceived attractiveness. The majority of the tattooed participants expressed to have more contact with others. Body jewelry can hide subjectively perceived deficits in appearance, thereby increasing self-awareness. Body modifications are also used after physically or psychologically traumatizing experiences to regain control over the body. Borderline patients report that their body modification significantly reduced or even completely stopped the self-harming behavior. People, who were unhappy with an amateur tattoo, are able to look again in the mirror with cover-up tattoos. Another area where tattoos include positive aspects are »grief tattoos«: people can handle with the death of a close relative through a tattoo; many claim to keep the memory of a deceased person wearing a tattoo. The semicolon-tattoo includes people who tried to put an end to their existence, but decided to continue the sentence of their lives, and the semicolon reminds them to carry on.
Autoren:
E. Kasten
Schlüsselwörter:
Tätowierung, Tattoo, Body Modification, Piercings
Schlüsselwörter englisch:
tattoo, tattoo, body modification, piercings